Anschlussprozedere einer Informatik-Lehre

Am Ende jeder Berufslehre in der Schweiz folgen die Abschlussprüfungen. Manche gehen einfach hin, andere bereiten sich minutiös darauf vor und haben trotzdem das Gefühl schlecht vorbereitet zu sein. Bei den meisten Berufen sieht der Ablauf ähnlich aus. Es gibt aber einige Berufe, die ihr eigenes Süppchen kochen und sich nicht an den Quasi-Standard halten. Natürlich gehören die Informatiker dazu.

Vorbereitung

Die Informatik-Lehre ist modularisiert. Das bedeutet, dass wir in jedem Semester vier Fächer haben. Dies tragen Namen wie „Internet-Services in Betrieb nehmen“, „Strukturiert Programmieren nach Vorgabe“ oder „Datenbanken administrieren“. In jedem Fach gibt es im Verlaufe des Semesters mindestens drei Vornoten. Der letzte Tag im Semester ist normalerweise KNW-Tag. KNW, das bedeutet Kompetenznachweis und es sind eigentlich Miniabschlussprüfungen, einfach nur über das jeweilige Fach.

Diese Noten zählen alle für den Abschluss. In jedem Fach (oder eben Modul) erhalten wir eine Bewertung von 1 bis 6, wobei hier bei uns in der Schweiz die Sechs das Ziel ist. Die Module sind in drei Kategorien eingeteilt. Die „Pflichtmodule“ stehen zwar auf dem Abrechnungsblatt (Portfolio genannt), zählen jedoch nicht zur Abschlussnote. Daneben gibt es die zwei Gruppen „Grundlagen-“ und „Schwerpunktmodule“. Diese beiden Notentöpfe zählen gleich stark.

Fach-Abschluss

Wir haben nun also schon eine ganze Menge an Notenmaterial. Man hat sich wohl entschieden, dass wir schon genügend Prüfungen geschrieben haben, denn eine eigentliche Abschlussprüfung gibt es keine mehr.

Dafür schreiben wir eine umfangreiche Abschlussarbeit. Diese wird IPA, Individuelle Praxis Arbeit, genannt. Der Berufsbildner definiert ein Projekt, das in zehn Tagen durchgeführt werden muss. Die gesamte Arbeit wird im Geschäft erledigt, insgesamt stehen 80 Stunden zur Verfügung. Geradezu peinlich genau aufzuschreiben, an was wie lange gearbeitet wurde, ist Teil des Auftrags.

Am Schluss steht meistens eine Dokumentation die schnell über hundert Seiten stark ist. Das gesamte Resultat wird am Ende vor Experten und den betreuenden Personen im Betrieb vorgestellt.

Ein Beispiel: Für meine IPA habe ich verschiedene Möglichkeiten untersucht, wie man Netzwerkspeicherplatz zur Verfügung stellen kann. Zum Projekt gehört eine genaue Aufgabenplanung, dann die Untersuchung der verschiedenen Protokolle, der Aufbau von Testsystemen und schliesslich die Auswertung. Das alles habe ich auf etwa 150 Seiten (inklusive Anhang) dokumentiert.

BM und ABU

Es gibt zwei Arten, wie eine Berufslehre in der Schweiz angegangen werden kann. Es gibt hier die Möglichkeit, eine Berufsmatur zu absolvieren, die einem den Zugang zu Fachhochschulen aus dem berufsnahen Bereich ermöglicht. Diese zusätzliche Schule ersetzt dann die allgemeinbildenden Fächer der normalen Berufsschule.

Lernende ohne BM absolvieren Abschlussprüfungen in den Fächern, zu denen zum Beispiel ABU (Allgemeinbildender Unterricht) oder Englisch gehören. Diese Tests fallen bei der anderen Option weg, so war es auch bei mir.

Dafür gibt es Maturprüfungen. Es gibt schriftliche und mündliche und alle zählen für den Abschluss der BM. Dieser muss aber getrennt von der Berufsschule angesehen werden, die beiden Schulen haben nichts miteinander zu tun.

Zukunft

Die Informatik wandelt sich schnell und offenbar haben die Leute, welche unsere Lehre gestallten das Gefühl, dass sie da irgendwie mithalten müssen. Der neuste Clou, der ab Lehrbeginn 2014 in Kraft tritt, besteht darin, dass die KNWs abgeschafft werden. Damit werden auch noch die letzten Überreste einer LAP vom Bildungsplan getilgt.

Ob dies für die Lehre positiv ist, wird sehr kontrovers diskutiert. Die neue Bildungsverordnung bringt aber auch andere Veränderungen, welche die Ausbildung definitiv weiter bringen. Dank der Modularisierung wurde es möglich, die Fachinhalte den aktuellen Gegebenheiten anzupassen: So wird die im IT-Umfeld immer dominanter werdende Virtualisierung von Clients und Server viel stärker gewichtet. Zudem sind die verschiedenen Fachrichtungen überarbeitet worden, um den Ansprüchen der Wirtschaft zu genügen.

Auf diejenigen, die in diesem Jahr die Informatik-Lehre beginnen, wartet also eine generalüberholtes Ausbildungsverfahren mit vielen spannenden Neuerungen.

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