Euregio-Aufenthalt in Cernay

Was ist Euregio?

„Das Projekt Euregio-Zertifikat bietet Lernenden bzw. Berufsschüler/innen die Chance, durch ein mindestens vierwöchiges Praktikum berufliche Erfahrung im benachbarten Ausland bereits während der Ausbildung zu sammeln.“ [1]  

Die Lernenden besuchen die Berufsschule und die Berufsmaturitätsschule weiterhin ganz normal. An den Tagen, an welchen sie sonst im Geschäft arbeiten würden, pendeln sie ins Ausland und arbeiten dort. Den Feierabend und die Nacht verbringen die Lernenden Zuhause.  

Bei der Endress+Hauser Flowtec AG in Reinach bekommen die Lernenden aller zu erlernenden Berufe die Möglichkeit dieses Zertifikat zu erlangen.
Bei den Elektronikerlernenden war es in den letzten Jahren so geregelt, dass diese zu Beginn des vierten Lehrjahres für zwei bis drei Monate in Deutschland in einer Schwesterfirma der E+H Gruppe arbeiten. Dieses Jahr durften wir Elektronikerlernenden im dritten Lehrjahr vier Wochen im PC (Produktionscenter) der Flowtec im Elsass, nämlich in Cernay, verbringen. Dies zusätzlich zum Austausch in Deutschland, welcher noch folgen wird.  

Wer ging alles mit?

Nicht nur die Elektronikerlernenden sind bei diesem Euregio-Aufenthalt in Cernay gewesen. Insgesamt waren wir sechs Lernende der Flowtec in Reinach, die bei diesem Aufenthalt dabei waren. Vier Elektroniker (im dritten Lehrjahr) und je ein Mechaniker (im vierten Lehrjahr) und Konstrukteur (im dritten Lehrjahr). Da wir an verschiedenen Tagen Schule hatten, waren die Elektroniker von Montag bis Mittwoch und der Konstrukteur und der Mechaniker von Mittwoch bis Freitag in Cernay.  

Was war geplant?

Geplant war, dass wir nach den Herbstferien in Cernay das Euregiopraktikum machen.
Dabei sollte es nicht darum gehen, dass wir uns fachlich weiterbilden. Das Ziel war, dass wir die „Lernenden“ in der Flowtec dort, sowie die Produktionsstätte Cernay an sich kennenlernen. Außerdem sollten wir uns mit der Kultur in Cernay auseinandersetzen und natürlich unser Französisch aufbessern.  Für die Hin- und Rückreise zwischen Basel und dem PC Cernay benutzen wir vorwiegend den ÖV. Dieser ist in Frankreich nicht so gut ausgebaut wie in der Schweiz, deshalb fuhr uns ein Taxi vom Bahnhof in Cernay zum PC Cernay und wieder zurück.  

Die Divison Cernay

Die Division Cernay ist eine von sechs Divisions der Endress+Hauser Flowtec AG. Anders als in Reinach, werden in Cernay keine Messgeräte entwickelt. Außerdem, werden in Cernay nur die mechanischen Arbeiten durchgeführt, die elektronischen Komponenten der Geräte werden in Reinach hergestellt. Es werden Durchflussmesseräte angefertigt, welche mit dem Messsystemen Vortex und Magnetisch-Induktiv arbeiten. Letztere haben einen Durchmesser von bis zu zwei Metern, was auf uns schon recht eindrücklich wirkte.  

Der erste Tag (Montag, 14. Oktober 2013)

Wir vier Elektroniker trafen uns am Bahnhof SBB in Basel. Von da aus ging es mit dem Zug nach Mulhouse. Dort angekommen stiegen wir auf eine Regionalbahn um, mit der es dann bis nach Cernay Haut-Rhin ging. Dort holte uns einer der „Lernenden“ aus Cernay mit dem Auto ab und fuhr uns zur Division Cernay. Die „Lernenden“ in Cernay haben ihren Arbeitsplatz alle im gleichen Raum. Als wir ankamen empfing uns Herr Ripsam, der Ausbildner der „Lernenden“. Nach der Begrüßung wurden wir mit den „Lernenden“ bekannt gemacht. Danach gab uns Emanuel Keller, einer der „Lernenden“, eine interessante Führung durch das PC Cernay:  

Die Führung

Emanuel Keller zeigte uns die Produktion der Magnetisch Induktiven Messgeräte:  

  • Am Wareneingang kommen die extern hergestellten Rohre an. (Die Flansche sind schon an die Rohre geschweißt)
  • Dann werden diese gereinigt, um die letzten Rückstände vom Fertigungsprozess zu entfernen.
  • Der Grundkörper (Rohr mit Flanschen) wird sandgestrahlt.
  • Jetzt kommt es zur Auskleidung der Innenseite vom Rohr. Dafür gibt es drei Möglichkeiten (alles Kunststoffe):  
    • Polyurethan ist die günstige Variante.
    • Teflon ist sehr korrosionsbeständig (z.B. Hitzeverträglichkeit)
    • „Gum“ ist ein selbstentwickelter Kunststoff, welcher sehr korrosionsbeständig und stabil ist (es können z.B. sogar Gesteinsbrocken im Medium [2]sein).

     

  • Nun werden die Löcher für die Sensoren und die Halterung des Gehäuses in den Grundkörper gebohrt.
  • Das Gehäuse mit den Spulen [3]und Sensoren wird auf dem Grundkörper montiert.
  • Das Messgerät wird lackiert.
  • In der Endmontage werden nun die elektronischen Komponenten und der Gerätekopf montiert.
  • Nun werden die fertig zusammengebauten Messgeräte kalibriert[4]. Dafür existiert in Cernay eine Kalibrationsanlage. Da in Cernay Messgeräte mit einem Durchmesser von bis zu zwei Metern kalibriert werden, ist ein Wasserturm Bestandteil der Kalibrationsanlage. In der Kalibrationsanlage der Flowtec in Reinach haben wir einen unterirdischen Wassertank. Der Vorteil eines Wasserturms ist, dass das Wasser während der Kalibration nicht mit Pumpen durch die Messgeräte gepumpt werden muss (denn so starke Pumpen sind nicht sehr wirtschaftlich), sondern dass der Druck im Wasserturm, durch den Höhenunterschied, beim Kalibrieren bereits vorhanden ist. Die Kalibrieranlage der Flowtec in Cernay ist die größte in Europa.
  • Funktionieren die Messgeräte, so werden sie abgepackt und verschickt.

Durch den ganzen Austausch hindurch haben wir die Lernenden aus Cernay in ihrem Alltag begleitet. Wir haben dabei mit jedem „Lernenden“, welcher dann dort war, Zeit verbracht.
Dabei unterhielten wir uns über viele Themen wie z.B. das Bildungssystem in Frankreich:  

Das französische Bildungssystem

In Frankreich ist das Bildungssystem mehr auf die Theorie als auf die Praxis ausgelegt. Es machen viel weniger Leute eine Lehre als in der Schweiz. Das hat nach unserem Eindruck zur Folge, dass die Qualität einer französischen Matur, eines Bachelor oder Masters merklich kleiner ist, als das Gegenstück in der Schweiz, da die Anforderungen für diese Titel entsprechend niedriger sind.  

Die Lernenden in Cernay sind, im Vergleich mit der Schweiz, eigentlich gar keine Lernenden, sondern Praktikanten. Sie haben alle das berufliche Gymnasium absolviert und machen jetzt ein Studium mit regelmäßigen Praktiken bei der Flowtec. Dabei sind sie abwechslungsweise ein paar Wochen in der Schule und im Betrieb.
Sie machen gerade entweder den Bachelor oder den Master in verschiedene Fachrichtungen. Die Fachrichtungen, welche sie studieren, sind ähnlich wie die der folgenden Berufe in der Schweiz: Mechaniker, Konstrukteur, Informatiker, Logistiker und Kaufmann.  

Fazit

Schlussendlich finde ich, dass der Euregioaustausch eine gute und sinvolle Sache ist. In Cernay waren alle sehr freundlich, offen und hilfsbereit.  

Ich möchte mich bei Herr Ripsam und den „Lernenden“ in Cernay bedanken und freue mich jetzt schon auf den nächsten Euregioaustausch im Februar.  

Merci beaucoup!  


[1] Quelle: http://www.mobileuregio.org/ch/schweiz-suisse/home.html   

[2] Mit Medium wird die Flüssigkeit/Gas bezeichnet, deren Durchfluss gemessen wird.  

[3] Für die Durchflussmessgeräte, welche mit dem Magnetisch-Induktiven Prinzip arbeiten, werden Spulen im Messgerät Montiert um ein Magnetisches Feld zu erzeugen.  

[4] Dem Messgerät wird einprogrammiert, welche Werte vom Sensor zu welchem Durchfluss gehören und dann wird getestet ob das Messgerät funktioniert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.